"Wir müssen doch im Wald spazieren gehen nicht neu erfinden". Diese Aussage bekam ich von einer älteren Dame, auf meine Erzählung hin, dass ich gerade die Ausbildung als Shinrin Yoku Kursleiterin absolviere. «Shinrin Yoku ist viel mehr, als nur durch den Wald zu spazieren» erklärte ich der Dame und begann ihr von der Geschichte dahinter zu erzählen:

Shinrin Yoku erklärt


Beim Shinrin Yoku geht es darum, auf intensive Art und Weise mit dem Wald auf Tuchfühlung zu gehen – mit allen Sinnen in die Waldatmospähre einzutauchen. Während wir Shinrin Yoku praktizieren, lassen wir den Alltag hinter uns, Entschleunigen und nehmen mit der Lehre der Achtsamkeit die Natur - das Aussen und Ich - mein Inneres bewusster war.

 „Shinrin Yoku“ bedeutet auf Deutsch also so viel wie ein Bad in der Atmosphäre des Waldes nehmen. In vielen Studien unter anderem von Dr. Qing Li (Präsident der japanischen Gesellschaft für Waldmedizin) wurde die Wirksamkeit von Waldbaden bereits belegt und in Japan ist Shinrin Yoku ein fester Bestandteil der Gesundheitsvorsorge. In Ländern wie Japan, China, Südkorea, Malaysia und Tawain wird Shinrin Yoku als präventive Methode zur Stressbewältigung anerkannt.

Der Begriff Shinrin Yoku wurde 1982 von Tomohide Akiyama, Leiter der japanischen Forstverwaltung geprägt. Mit einer Waldschutzkampagne wollte er darauf Aufmerksam machen, dass die Menschen dringend Heilung durch die Natur benötigen.

Lange vor Shinrin Yoku haben viele Gelehrte, Philosophen, Biologen und Ärzte Begriffe geprägt, die im Zusammenhang von Natur und Mensch stehen.

Hildegard von Bingen (Benedikterin, Gelehrte 1098-1179) nannte die Kraft, welche in den Pflanzen und Lebewesen wirkt: Viriditas (lat. Viridis = grün). Diese Grundkraft ist laut Hildegard von Bingen die Grundlage für die Heilkraft.

Der Begriff Biophillia (bio = Leben / philia = Liebe) kommt von E. Fromm (Psychotherapeut, Philosoph 1900-1980). Er benannte damit die Liebe des Menschen zur Natur und zum Lebendigen. E.O. Wilson stellte 1929 die Biophillia-Synthese auf. In dieser beschreibt er, das menschliche Bedürfnis «…sich mit den anderen Lebewesen zu verbinden»

1984 hat Roger Ulrich in einer Studie an Patienten nachgewiesen, dass der Blick aus dem Spitalzimmer in die Natur zu schnellerer Genesung führt.

Zusammengefasst können wir sagen, der Mensch kommt aus der Natur und ist demzufolge auch Teil der Natur. Das Vergessen viele von uns.

Diese innere Wahrheit, sich wieder mit dem Lebendigen zu verbinden, findets Du wieder, wenn du zur Ruhe kommst und dir Zeit für die Geschenke der Natur nimmst. 

Wer sich im Wald aufhält, so zeigten Untersuchungen, senkt seinen Blutdruck, regt sein Immunsystem an und reduziert Stresshormone. Vielleicht liegt das an der Ruhe, die der Wald ausstrahlt oder am besonderen Klima das der Wald erzeugt. 


Waldbaden wirkt


Ein Spaziergang allein hilft schon, um herunterzufahren und das Immunsystem zu stärken. Der Wald schenkt uns so viel, wir müssen dafür nichts tun. Mit aktiven Übungen können die positiven Effekte noch verstärkt werden. 

Das sogenannte Waldinnenklima ist durch einige Besonderheiten gekennzeichnet: Die Kronen der Bäume halten die Sonnenstrahlen ab und somit haben wir ein natürliches Blaulicht wie in der Dämmerung, das uns entspannen lässt. Die Bäume verdunsten Wasser, was zu kühleren Temperaturen im Sommer und einer höheren Luftfeuchtigkeit führt. Ein großer Baum kann an einem warmen Tag 200 Liter Wasser verdunsten und nebenbei jede Menge Sauerstoff und ätherische Öle produzieren. Phytonzide, die Duftstoffe der Bäume wirken direkt im Körper des Menschen, ohne dafür etwas tun zu müssen.  

Aber Bäume haben noch eine ganz andere Wirkung auf den Menschen …


Bäume inspirieren 


Unseren Vorfahren waren Bäume heilig. Die Linde war der Gerichtsbaum, unter uralten Eichen brachte man seine Opfer dar und die Eibe galt als Zeichen für das ewige Leben. Die Bäume, sie bewegen etwas im Menschen und bringen seine Seele zum Schwingen. Sie können uns als Vorbilder dienen. Starke Wurzeln - sie vertrauen darauf, dass alles zu Ihnen kommt was sie brauchen - sie suchen immer das Licht»volle» und üben sich stetig in Geduld. Wer sich bewusst mit einem Baum verbindet, der wird spüren was für Kräfte in einem solchen Wesen steckt und wie wir von Ihnen lernen können. 

Shinrin Yoku ist also viel mehr wie nur ein Spaziergang. Möchtest du diese wundervolle Art, sich wieder mit der Natur zu verbinden und die eigenen Ressourcen zu stärken ausprobieren?